Warten auf den Netzbetreiber

Die Anfrage für meinen Zwerg wurde verschickt. Die 14 Seiten Papier mit Daten zu meinem Solarzwerg müssen klassisch mit der Post oder persönlich übermittelt werden. Bisher habe ich mich drei Stunden mit dem Netzbetreiber beschäftigen müssen. Anschließen darf ich meinen Zwerg aber noch nicht.

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Netzanfrage im Jahr 2014

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Mein Zwerg, der Feind des Netzbetreibers

Da hilft nichts. Sonnenstromanlagen sind das Übel für die Wiener Netze.

Es beginnt damit, dass die Wiener Netze nicht auf meine Anfrage vorbereitet sind. Da Sonnenstromanlagen nur seit diesem Jahrtausend im Rekordtempo errichtet werden, kann mir erst die sechste Person mit der ich verbunden werde eine Auskunft geben. Diese entspricht fast wortgleich dem Kommentar von Ernst August unter dem Beitrag „Der Beginn„. Zuerst droht mir der Techniker und dann prophezeit er mir Tod, Netzzusammenbruch, Abertausende Euro Strafe und so weiter.

Nur ein konzessionierter Elektriker darf einen Solarzwerg melden. Da die Wiener Netze in ihrer Parallelwelt leider noch kein Internet nutzen, muss der Elektriker ein Antragsformular mit fünf Durchschlägen, fünf Seiten Beilagenformulare, eine Technische Planung und eine Konformitätserklärung des Wechselrichters einreichen. Man stelle sich vor, so etwas muss man machen, bevor man einen Kühlschrank ansteckt.

Nun hat ein Netzbetreiber eine besondere Rolle, die man als Natürliches Monopol bezeichnet. Es gibt nur den einen für meine Wohnung. Die besondere Verantwortung des Netzbetreibers liegt darin, allen Teilnehmern die selben Chancen zu gewähren. Die Kosten, die mir der Netzbetreiber verrechnet sind gesetzlich festgelegt und können von mir nicht verhandelt werden. Über meine Stromrechnung erhält der Netzbetreiber rund ein Drittel meiner Stromzahlungen, was mich zum Kunden macht. Die Wiener Netze sind darüber hinaus in öffentlichem Eigentum, was uns alle zu deren Eigentümern macht. Wessen Interessen vertritt der Netzbetreiber eigentlich noch?

Führt mein Solarzwerg im Wiener Netz zu einem Blackout und gefährde ich damit die Bevölkerung? Laut Oesterreichs Energie betrug die im Jahr 2012 erzeugte Strommenge 72.400 GWh. Mein Zwerg erzeugt ca. 0,0002 GWh. Wenn ich damit Probleme im Netz verursache, haben wir in Österreich ein ernsthaftes Sicherheitsproblem. Selbst wenn alle 3.000.000 Haushalte in Österreich einen Solarzwerg wie meinen anschließen, ergibt das mit 600 GWh nur 0,8% der Erzeugung. Betrachtet man auch die installierte Kraftwerksleistung von ca. 21.000 MW würden alle 3.000.000 Solarzwerge mit 600 MW nur 2,8% ausmachen. Ein Stromnetz muss das verkraften können.

Ob die Art, wie mein Solarzwerg geprüft wird nicht ein wenig übers Ziel hinaus schießt, frage ich den Techniker am Telefon. „Das sind die Regeln. Basta“. Ein Schuss mit der Bürokratie-Kanone auf den Zwerg. Na dann auf zu den Formularen.

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Erstkontakt mit dem Netzbetreiber

Meine Wohnung ist mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden. Wenn wir nicht zu Hause sind und mein Solarzwerg mehr produziert, als in der Wohnung gebraucht wird, kann sauberer Strom zurück ins öffentliche Netz fließen. Dieser wird dann von Nachbarn genutzt. Es ist OK, wenn der Netzbetreiber wissen möchte, wie viel Strom ich in sein Netz schicke.

Da auf der Webseite der Wiener Netze mein Anliegen nicht auffindbar ist, wollte ich die Sache telefonisch klären. Dokumentiertes Ergebnis:

  • Erstanruf endet mit 20min Warteschleife. Bin nicht sicher, ob das normal ist, daher versuche ich es erneut.
  • Beim Zweitanruf gebe ich bekannt, dass ich bereits 20min in einer Warteschleife hängen geblieben bin. Die freundliche Vermittlerin bietet höflich an, mit mir „zusammen“ bei der Dienstelle im 21. Bezirk anzurufen. Was auch immer sie damit gemeint hat. Sie legt mich wieder auf ein Tonband. Nach weiteren 20min lege ich auf und beschließe, erneut anzurufen.
  • Beim dritten Anruf bin ich hörbar angefressen. Ich teile der Dame an der Vermittlung mit, dass ich 40min in einer Warteschleife verbracht habe. 40min meines Lebens, die ich nie wieder zurück bekomme. Die Dame entschuldigt sich höflich, sagt, sie kann die Anwesenheit Ihrer KollegInnen nicht feststellen und bittet mich in vier Tagen wieder anzurufen.

Fortsetzung folgt.

Wird mich mein Solarzwerg umbringen?

Hat ein Solarzwerg das Potential, zu töten? Ja. Punkt. Wird mich mein Solarzwerg töten? Eher trifft mich der Blitz.

Der Leserkommentar von Ernst August unter dem Beitrag „Der Beginn“ fasst im Prinzip die wichtigsten Vorwände gegen die Erlaubnis zur Nutzung eines Solarzwerges zusammen. Heute möchte ich auf das Thema Lebensgefahr eingehen. Als Familienvater hat Sicherheit für mich höchste Priorität. Welche reale Gefahr geht von meinem Solazwerg aus?

Elektrizität ist gefährlich. Elektrogeräte wie Wasserkocher, Mobiltelefone oder Backöfen sind in der Regel so gebaut, dass ein direkter Kontakt mit dem Stromkreis nicht möglich ist. Sofern man nicht mit einer Gabel in die Steckdose fährt oder ein offensichtlich beschädigtes Gerät ansteckt, kann man davon ausgehen, dass man sicher ist. Fehlen einem die Grundinstinkte und das Grundwissen beim Umgang mit Elektrogeräten, hat man noch die Gelegenheit, den Darwin Award zu gewinnen.

Defektes Stromkabel

Lebensgefahr durch defektes Stromkabel

Statistik - Unfälle durch Elektrizität

Statistik – Unfälle durch Elektrizität 2012 – Quelle: http://www.kfv.at/unfallstatistik

Im Jahr 2012 kamen in Österreich laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit sechs Menschen durch Elektrizität ums Leben. Drei davon wurden vom Blitz getroffen. Zwei Unfälle ereigneten sich mit elektrischen Leitungen, ein Unfallhergang ist nicht näher erfasst. Aktuell kenne ich in Österreich keinen Todesfall der direkt oder indirekt mit Sonnenstromanlagen in Zusammenhang zu bringen ist.

Welche Regeln sind beim Umgang mit Sonnenstromanlagen zu beachten? Die Besonderheit des Solarzwerges ist, dass er so lange Strom produziert, so lange Licht auf das Modul trifft. Das Gefährlichste sind die Kabel die direkt am Modul hängen und am Wechselrichter angesteckt werden. (Siehe Komponenten). Je kürzer das Kabel zwischen Modul und Wechselrichter ist, desto sicherer ist der Zwerg. Erkennt man einen Schaden am Solarzwerg, muss sofort im Hauptverteiler der Strom abgeschaltet und ein Elektriker kontaktiert werden. Bis zum Eintreffen von Unterstützung kann man eine schwere Decke über das Solarmodul legen, dadurch produziert dieses keinen Strom mehr.

Weitere Gefahren, die von meinem Solarzwerg ausgehen:

  • Mein Solarzwerg könnte mich durch Herabfallen von meinem Balkon erschlagen
  • Mit den Leitungen des Solarzwerges könnte ich mich strangulieren
  • Ich könnte auf der glatten Oberfläche ausrutschen, wenn ich darauf gehen würde
  • Wenn ich den Solarzwerg zerkleinere und dessen Teile schlucke, könnte ich daran ersticken

Ich schätze für mich und meine Kinder die Gefahr meines Solarzwerges als vernachlässigbar ein. Aber warum will man mich vor meinem Solarzwerg schützen? Wer schützt mich vor den Folgen von Öl, Kohle- und Nuklearkraft? Gefährde ich die Stabilität des Stromnetzes und damit die Sicherheit unserer Gesellschaft?

Ein Solarzwerg

Rein technisch gesehen ist mein Solarzwerg eine komplette Sonnenstromanlage bzw. Photovoltaikanlage bestehend aus Solarmodul, Wechselrichter, Befestigungsmaterial und Absicherungen.

Mein Solarzwerg ist blau und hat Abmessungen von ca.1,6m x 1m und ein Gewicht von ca. 19 kg. Der Rahmen meines Moduls ist ca. 4cm stark. Die max. Leistung liegt bei 250 Watt, wenn die Sonne voll drauf scheint und die Lufttemperatur niedrig ist. So, wie ich das Modul installieren möchte, erzeuge ich damit hoffentlich 150 bis 200 kWh Strom pro Jahr bei ca. 2.300 kWh Gesamtverbrauch.

Mein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom aus dem Solarmodul in Wechselstrom für die Steckdose um. Er passt sich an Licht- und Temperaturschwankungen an und holt hoffentlich immer das Optimum heraus. Zusätzlich ist der Wechselrichter mit einem automatischen Schalter ausgestattet. Wenn in der Steckdose Strom ist, schaltet er ein. Wenn kein Strom ist, schaltet er aus. Damit ist gewährleistet, dass kein Strom mehr erzeugt wird, wenn man z.B. für die Montage einer Lampe den Strom abgestellt hat.

Zusätzlich hat mir mein Kollege einen besonderen Sicherheitsstecker organisiert. Das ist ein Fehlerstromschutzschalter, der im Falle eines Fehlers den Wechselrichter abschaltet. Z.B. wenn man ein beschädigtes Kabel berührt.

Mit ein paar Metallschienen und Schrauben soll alles befestigt werden.

Der Zusammenbau ist für kommendes Wochenende geplant.

Solarzwerg Komponenten

 

Der Beginn

Siehe auch Über das Experiment.

Zuerst will ich herausfinden, wie mein Stromverbrauch zu Hause aussieht und was mir ein Solarzwerg überhaupt bringt.

Wir testen in der Firma gerade den wattcher. Der wird einfach auf den Stromzähler geklebt und zeigt den Stromverbrauch in verschiedenen Darstellungen an. Ich habe mir unseren Stromverbrauch zu Hause an von einem Sonntag im März angesehen.

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Um Mittag herum wurde am meisten verbraucht. Das passt ja schon ganz gut mit der Sonne zusammen. In der Spitze wurden da um die 2.000 Watt aus dem Netz gezogen.

Als nächstes brauche ich einen geeigneten Solarzwerg. In der Firma haben wir einen ausgezeicheneten Zugang zu Solarmodulen. Meine Kollegen organisieren mir eines mit 250 Wp Leistung, einen Wechselrichter und Sicherheitsstecker. Mit ein paar Aluminium-Profilen möchte ich das ganze dann befestigen.

Der Solarzwerg macht mir im Jahr hoffentlich 150 bis 200 kWh und deckt damit 5 bis 10% unseres Stromverbrauchs.

Ist schon bestellt.