Mein Zwerg, der Feind des Netzbetreibers

Da hilft nichts. Sonnenstromanlagen sind das Übel für die Wiener Netze.

Es beginnt damit, dass die Wiener Netze nicht auf meine Anfrage vorbereitet sind. Da Sonnenstromanlagen nur seit diesem Jahrtausend im Rekordtempo errichtet werden, kann mir erst die sechste Person mit der ich verbunden werde eine Auskunft geben. Diese entspricht fast wortgleich dem Kommentar von Ernst August unter dem Beitrag „Der Beginn„. Zuerst droht mir der Techniker und dann prophezeit er mir Tod, Netzzusammenbruch, Abertausende Euro Strafe und so weiter.

Nur ein konzessionierter Elektriker darf einen Solarzwerg melden. Da die Wiener Netze in ihrer Parallelwelt leider noch kein Internet nutzen, muss der Elektriker ein Antragsformular mit fünf Durchschlägen, fünf Seiten Beilagenformulare, eine Technische Planung und eine Konformitätserklärung des Wechselrichters einreichen. Man stelle sich vor, so etwas muss man machen, bevor man einen Kühlschrank ansteckt.

Nun hat ein Netzbetreiber eine besondere Rolle, die man als Natürliches Monopol bezeichnet. Es gibt nur den einen für meine Wohnung. Die besondere Verantwortung des Netzbetreibers liegt darin, allen Teilnehmern die selben Chancen zu gewähren. Die Kosten, die mir der Netzbetreiber verrechnet sind gesetzlich festgelegt und können von mir nicht verhandelt werden. Über meine Stromrechnung erhält der Netzbetreiber rund ein Drittel meiner Stromzahlungen, was mich zum Kunden macht. Die Wiener Netze sind darüber hinaus in öffentlichem Eigentum, was uns alle zu deren Eigentümern macht. Wessen Interessen vertritt der Netzbetreiber eigentlich noch?

Führt mein Solarzwerg im Wiener Netz zu einem Blackout und gefährde ich damit die Bevölkerung? Laut Oesterreichs Energie betrug die im Jahr 2012 erzeugte Strommenge 72.400 GWh. Mein Zwerg erzeugt ca. 0,0002 GWh. Wenn ich damit Probleme im Netz verursache, haben wir in Österreich ein ernsthaftes Sicherheitsproblem. Selbst wenn alle 3.000.000 Haushalte in Österreich einen Solarzwerg wie meinen anschließen, ergibt das mit 600 GWh nur 0,8% der Erzeugung. Betrachtet man auch die installierte Kraftwerksleistung von ca. 21.000 MW würden alle 3.000.000 Solarzwerge mit 600 MW nur 2,8% ausmachen. Ein Stromnetz muss das verkraften können.

Ob die Art, wie mein Solarzwerg geprüft wird nicht ein wenig übers Ziel hinaus schießt, frage ich den Techniker am Telefon. „Das sind die Regeln. Basta“. Ein Schuss mit der Bürokratie-Kanone auf den Zwerg. Na dann auf zu den Formularen.

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Ein Gedanke zu “Mein Zwerg, der Feind des Netzbetreibers

  1. Wer lang fragt, geht weit irr…
    Ich hab auch einen Zwerg installiert (inkl. Batterie) und speise die Lüftungsanlage direkt. Wenn zuwenig Sonnenstrom, dann schaltet ein Relais auf Netz um. Somit hab ich keine direkte Verbindung mit dem Netz.

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