Die Endlosschleife

Dass die Bürokratie bizarr sein wird, wusste ich schon vor Erstellung des Blogs. Eine Endlos-Schleife hätte aber selbst ich mir nicht erwartet.

Der Hintergrund: Seit der Strommarktliberalisierung sind bekanntlich Netzbetreiber und Energielieferanten getrennt. Der Gesetzgeber hat es nun für äußerst schlau befunden, dass ich als Verbraucher immer zwei Verträge abschließen muss: Einen Netznutzungs- und einen Energieliefervertrag. Im Herbst 2013 wurde eine Internetplattform namens ENERGYlink eingeführt, um die Kommunikation zwischen Netzbetreibern und Energielieferanten abzuwickeln. Wechsle ich meinen Energieversorger, schicken sich alter Versorger, neuer Versorger und zuständiger Netzbetreiber Daten zum Kunden und zum Zähler über die Plattform zu. Um einen Verbraucher oder Erzeuger eindeutig identifizieren zu können wird in der Regel eine 33 stellige alphanumerische Zählpunktbezeichnung verwendet, z.B. AT0010000000000000001000000000001. Bei Photovoltaikanlagen kann es an derselben Adresse auf demselben Zähler mehrere Zählpunkte geben, einen für den Bezug und einen für den eingespeisten Überschuss. In der Regel weichen die gespeicherten Daten bei einem der drei Akteure ab, wie z.B. der genaue Wortlaut der Adresse. Beim Vorlieferant habe ich „Straße“ ausgeschrieben und beim neuen Lieferanten abgekürzt. Dann können die Computersysteme den Kunden nicht identifizieren. Manchmal weichen auch Wohnadresse und Zähleradresse voneinander ab. Z.B. bei Eckhäusern mit Eingängen an zwei Straßen. Auch hier schafft die eindeutige Zählpunktbezeichnung Klarheit.

Die Endlos-Schleife ergab sich folgendermaßen: Ich benötige von den Wiener Netzen einen bidirektionalen Zähler, der auch den Überschuss meines Solarzwerges misst. So verlangt es die Bürokratie für einen „legalen“ Zwerg. Also rufe ich bei den Wiener Netzen an und sage, dass meine Anlage fertig zur Inbetriebnahme ist und ich nur mehr diesen Zähler brauche. Der freundliche Herr am Telefon hat mir daraufhin erklärt, dass ich vor Installation des Zählers einen Abnahmevertrag haben muss. Irgendwer muss meinen eingespeisten Überschuss von Anfang an abnehmen. Also gehe ich zur oekostrom und bitte um einen Abnahmevertrag für meinen Solarzwerg. Die oekostrom wiederum bittet mich um den Netznutzungsvertrag inkl. der Zählpunktbezeichnung, um die Anlage über ENERGYlink anmelden zu können (da ENERGYlink sonst einen Fehler meldet, dass die Anlage nicht eindeutig identifiziert werden kann). Also rufe ich wieder die Wiener Netze an und verlange nach meinem Netznutzungsvertrag. Der Herr von den Wiener Netzen wiederum erklärt mir, dass der Energielieferant zuerst anmelden muss, bevor ich einen Netznutzungsvertrag bekomme und schickt mich wieder zur oekostrom. Die oekostrom kann ohne Zählpunkt nicht anmelden und so schließt sich der Kreis der Bürokratie.

Da ich als frustrierter Verbraucher im Kreis geschickt werde, hat mich die Meinung des Regulators e-control interessiert. Laut e-control handelt es sich um ein bekanntes Problem und man sieht hier Möglichkeiten zur Verbesserung der Prozesse aus Sicht des Kunden. Als Lösung wurde mir ein Workaround vorgeschlagen: Den Wiener Netzen einfach mitteilen, dass ich fertig bin, einen Zähler haben will und einen Abnahmevertrag mit oekostrom haben werde. Angeblich geht der Prozess dann weiter. Einfacher kann man ja kaum zu seinem Solarzwerg kommen, oder doch?

 

Kreisverkehr

Kreisverkehr

 

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Ein Gedanke zu “Die Endlosschleife

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