Freie Energie(wahl) für alle!

The use of solar energy has not been opened up because the oil industry does not own the sun.

wird Ralph Nader im Internet zitiert. Es sind bereits acht Monate vergangen. Noch immer lassen mich die Wiener Netze meinen Solarzwerg nicht in Betrieb nehmen, obwohl technisch nichts dagegen spricht. Derzeit suchen sie mit Hilfe von Gutachtern fieberhaft nach einer Rechtfertigung für ihr Verhalten. Und die e-control sieht dabei zu.

Vor einigen Tagen hat der Eigentümer der Wiener Netze, die Stadt Wien, in einer Meldung veröffentlicht, dass Photovoltaikanlagen weiterhin gefördert werden. In der Meldung ist folgender Witz zu lesen:

Der Ausbau der solaren Energieerzeugung wird in Wien unter anderem durch die Photovoltaik-Förderung unterstützt und forciert. Damit leistet Wien einen wesentlichen Beitrag für eine nachhaltige Energiezukunft.

Dass Greenwashing und leere Phrasendrescherei heutzutage kritisch hinterfragt werden, dürfte sich noch nicht bis in die Marketingabteilung der Stadt herumgesprochen haben. Wenigstens sind sie so ehrlich und setzen das Wort nachhaltig zur Zukunft. Eine sehr weit entfernte Zukunft. Die Förderung kann da nur als Schmerzensgeld verstanden werden. Von einem Beamten der Stadt bekomme ich Geld für etwas, das ein anderer Beamter verbietet. Natürlich gibt es das Geld erst nach offizieller Inbetriebnahme.

Als ob es nicht offensichtlich wäre, wie umfangreich die Bürokratie für einen harmlosen Solarzwerg ist, wurde im Sommer übrigens die Wiener Bauordnung novelliert. Wer sich einen Solarzwerg auf einem Gebäude mit mehr als 11m Höhe anschaffen möchte,  der ruft zusätzlich die Baupolizei wegen dem Brandschutz auf den Plan. Dabei sind Solarzwerge wegen ihrer Modulwechselrichter in Bezug auf Brandschutz derzeit die sicherste Art, Photovoltaikanlagen zu betreiben. Da wird monatelang ein Solarzwerg geprüft, obwohl das Ergebnis des Genehmigungsverfahrens immer positiv ist. Wozu wird dann geprüft?

Die Photovoltaik ist Basis einer DER Wachstumsfelder der kommenden Jahrzehnte und geht weltweit ab wie eine Rakete. Schade, dass die Stadt Wien keine Idee hat, wie man das zum Vorteil aller nutzen kann und glaubt, mit einer Förderzahlung ist die Sache erledigt. Am 5. März 2014 hat das Rathaus zu einer Photovoltaik-Enquete eingeladen. Es wurden sehr interessante Projekte zur Ermittlung des solaren Potentials der Stadt vorgestellt. 55% der Dachflächen seien geeignet. Ab 25% genutzter Dachflächen käme es zu Problemen im Stromnetz, begründeten die Wiener Netze ihre skeptische Haltung in einem Vortrag. Dass weniger als 1% der Flächen genutzt sind fiel unter den Tisch. Weiters durfte der stadteigene Energieversorger, der im Jahr 2011/2012 noch über 80% seiner Energie mit fossilen Energieträgern generiert hat, präsentieren, wie toll er ist, weil er auch einmal ein Photovoltaik-Kraftwerk errichten hat lassen. Bis 2050 wolle man auf 50% Erneuerbare kommen. Mit dieser unfassbaren Geschwindigkeit dauert es somit lächerliche vier bis fünf Generationen bis Wien sich erneuerbar versorgen könnte.

Die Stadt hat es also geschafft, in zwei Generationen mit gigantischen Summen ein System ohne Zukunft aufzubauen, welches sie frühestens in vier Generationen wieder los wird. Respekt! Dabei zeigen andere schon längst, dass es schneller gehen kann, wenn man es zulässt.

Dem Umbau auf Erneuerbare hinderlich sind auch die langen Abschreibungsdauern für fossile Kraftwerke von bis zu 50 Jahren. 30 Jahre länger als für Photovoltaik-Kraftwerke. So lange muss man mindestens Fossile verbrennen, damit sich Gaskraftwerke bezahlt machen. Dumm gelaufen ist jetzt, dass wir in Europa kein Gas haben und dieses aus fernen Regionen importieren müssen.

Neben der natürlichen Knappheit fossiler Ressourcen ist es auch problematisch, wenn man sich mit Exporteuren zerstreitet oder deren Regime gestürzt werden. Wenn sich dadurch in den nächsten Jahrzehnten die Gaspreise erhöhen, ist das für den Stadtversorger bisher kein Problem. Preiserhöhungen werden an die Verbraucher weiter gegeben. Weil der Strommarkt liberalisiert wurde und man da preislich nicht mehr vollkommen frei ist, baut man sich derzeit mit auf Gas basierter Fernwärme das nächste Monopol auf. Und wenn auch das nichts mehr nützt, lässt sich der Stadtversorger halt vom Steuerzahler seine 270 Millionen Verlust durch Gaskraftwerke ausgleichen.

Es geht mir nicht um CO2 Reduktion oder Klimaschutzziele. Es geht mir darum, dass die fossile Energieversorgung keine Zukunft hat und man das nun doch schon einige Zeit weiß. Volkswirtschaftlich und sozial gesehen finde ich Fossile weitaus dümmer als aus ökologischer Sicht. Es schmerzt mir zuzusehen, wie verantwortungslos öffentliches Kapital auf Kosten der nächsten vier Generationen weiterhin falsch investiert wird. Ich habe Angst davor, dass mich meine Enkel einmal fragen:

Opa, hast Du denn nicht gewusst, welcher Schaden angerichtet wird?

Was soll man dann antworten?

Es gab zwar eine Vermutung, aber keine eindeutigen Beweise dafür, dass wir Eure Grundlagen vernichten. Das war halt normal und alle haben da irgendwie mitgemacht, daher trägt niemand die Verantwortung. Im Nachhinein ist man immer klüger. Sieh es positiv, mein Enkelchen, nach all den Jahren haben wir zumindest den Beweis erbracht.

Ich möchte dieser dummen, destruktiven Energiepolitik nicht so ausgeliefert sein. Ich möchte die Wahl haben, jene zu unterstützen, an die ich glaube. Genauso wie ich als Wähler alle Jahre entscheiden darf, habe ich auch als Konsument und Energieverbraucher eine Wahl. Wie ich konsumiere, wo ich meine Münzen einwerfe und wen ich dadurch unterstütze gehört zu meinen Möglichkeiten der Mitbestimmung und Selbstverwirklichung. Und ich möchte die Solarenergie mit dem Kauf eines Solarzwerges unterstützen weil es lässig ist. Der Solarzwerg macht Power. Der bleibt mir, da kann mir keiner neue Brennstoffpreise draufdrücken, er macht keinen Lärm und nimmt niemandem Platz weg. Einem mündigen Menschen braucht man keine Solarzwerge verbieten.

Solarzwerge stellen eine Wahlmöglichkeit, eine Alternative dar. Wer sie verbietet, verhindert oder verzögert, der bekämpft eine Demokratisierung des Energiesystems.

Weihnachtlicher Solarzwerg

Weihnachtlicher Solarzwerg