Schweizer finden Solarzwerge unbedenklich

Manchmal hilft ein Blick über den Tellerrand hinaus. Die Schweiz ist zusammen mit Österreich und Deutschland energiewirtschaftlich eng verbunden. Unsere Stromnetze sind sich technisch relativ ähnlich. Die Schweiz betreibt derzeit fünf Kernkraftwerke und deckt damit knapp 40% des Stromverbrauchs. Mehrere Volksbefragungen haben seit 1979 die Atomkraft mehrheitlich befürwortet. Sogar die Einführung einer Förderung für Solarenergie wurde im Jahr 2000 abgelehnt. Vermutlich wegen der nuklearen Katastrophe in Fukushima hat sich 2011 der Bundesrat für den Ausstieg aus der Atomkraft entschieden.

Diese Schweiz, die bisher den „neuen“ Erneuerbaren wie Wind und Sonne nicht sehr aufgeschlossen gegenüber stand, hat im Sommer 2014 Solarzwerge geregelt. Wo bei uns Solarzwerge wie Voodoo-Zauber behandelt werden, hat das Eidgenössische Starkstrominspektorat einen nüchternen und trockenen Leitfaden veröffentlicht, wie mit Solarzwergen umzugehen ist.

Demnach dürfen Solarzwerge bis 600 Watt Leistung an eine Steckdose angesteckt werden, wenn es im Hauptverteiler eine handelsübliche Sicherung gibt. Interessant ist auch, dass der Netzbetreiber nicht um Erlaubnis gebeten werden muss, sondern lediglich eine Information erhält. Eine große Photovoltaikanlage ab 600 Watt muss von einer Fachperson installiert werden. Bis zu zwei meiner Solarzwerge sind harmlos, mehr können ohne fachmännische Hilfe gefährlich werden.

Statt mehr als zehn (!) Monate Bürokratie für meinen Solarzwerg, der ich in Österreich bisher ausgesetzt war, brauche ich in der Schweiz also weniger als eine halbe Stunde.

Schweizer Leitfaden für Solarzwerge

Schweizer Leitfaden für Solarzwerge

Nun schaltet sich auch noch das Finanzamt ein

Vergangene Woche erhielt ich zwei Schreiben.

Das erste kam vom Finanzamt und enthielt eine Forderung über 50 EUR. Weil der Absender die Abteilung für Gebühren, Verkehrssteuern und Glücksspiel war, hatte es einige Zeit gedauert, bis ich eine Verbindung zu meinem Solarzwerg herstellen konnte. Der Hintergrund: Die Magistratsabteilung 64 (MA 64) hat für das Genehmigungsverfahren eine Gebühr verlangt, welche ich vor ca. drei Monaten bezahlt habe. Wegen eines vermutlichen Zuordnungsproblems meiner Zahlung auf Seiten der Behörden wird nun der offen geglaubte Betrag vom Finanzamt im Auftrag der MA 64 eingetrieben. Wegen der Rechtslage muss ich den Betrag zuerst bezahlen und darf ihn erst später wieder zurück fordern. Eine (berechtigte) Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung für eine Forderung der Finanzbehörden. Wird der Betrag nicht bezahlt, droht mir eine Gehaltspfändung. Hätte ich bloß auch solche Mittel und könnte bei zu langer Genehmigungszeit Gehälter pfänden. Da wäre Solarzwerg-Bürokratie eine Goldgrube.

Das zweite Schreiben ist eine Stellungnahme der Wiener Netze mit all den Vorwänden die ich bereits kenne. Es gebe für die Wiener Netze keine Möglichkeit, den Solarzwerg formal in Betrieb zu nehmen, außer man bezahlt 2.500 EUR für Sanierungen an ihrer Infrastruktur.

Mein Kollege hat mir empfohlen, mit seinem Anwalt über die Geschichte zu sprechen. Bin gespannt, was da heraus kommt.

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