Ist ein Stecker am Solarzwerg verboten?

Immer wieder höre ich das Gerücht, dass Solarzwerge verboten seien. So warnen einige Organisationen vor der Verwendung von Solarzwergen, wie z.B. die Landesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker oder der VDE. In einem früheren Beitrag bin ich bereits auf das Thema Sicherheit eingegangen.

Meine KollegInnen von oekostrom und ich haben uns in den letzten eineinhalb Jahren intensiv mit steckdosenfertigen Solarsystemen beschäftigt. Unter anderem wurden technische und rechtliche Gutachten eingeholt. Für Deutschland hat uns freundlicherweise Greenpeace Energy eG mit dem nötigen rechtlichen Wissen versorgt. Ziel war es herauszufinden, ob steckdosenfertige Solarsysteme rechtlich und technisch möglich sind. Das Ergebnis lautet: Ja, sind sie. Daher haben sich die beiden Unternehmen entschlossen, die Crowdfunding Kampagne für simon.energy zu unterstützen, um die Entwicklung eines sicheren, steckdosenfertigen Solarsystems zu finanzieren.

Manch jemand kann sich nur schwer vorstellen, wie so ein Gerät sicher betrieben werden kann. Ein Mythos in Bezug auf die Steckverbindung ist, dass im ausgesteckten Zustand Spannung anliegt. Wie das bei anderen Produkten aus dem Internet ist, kann ich nicht beurteilen. oekostrom hat jedoch ein spezielles steckdosenfertiges Solarsystem vom TÜV prüfen lassen. Der TÜV konnte am Stecker keine Gefahr für Leib und Leben erkennen, weil das System nach dem Ausstecken innerhalb von Millisekunden frei von gefährlicher Spannung ist.

In Bezug auf eine Steckverbindung am Solarzwerg gibt es Normen in Deutschland und in Österreich. In der VDE 0100-7-712, bzw. ÖNORM E 8001-4-712 wird festgehalten, dass Photovoltaikanlagen fest anzuschließen sind. Diese beiden Normen gehen auf die europäische DIN IEC 60364-7-712 zurück, die ursprünglich in Französisch und Englisch erschienen ist. In den Ausgangssprachen findet sich interessanterweise kein Hinweis auf einen festen Anschluss. Daher sind steckfertige Solarsysteme vermutlich in anderen Ländern wie Holland oder Schweiz ohne Widerstand von Lobbying-Gruppen im Einsatz. In der deutschsprachigen Implementierung dieser Norm mit der Bezeichnung HD 60364-7-712 ist der feste Anschluss jedoch in den Text gewandert. Und dieser Text wurde dann in die nationalen Normen von Deutschland und Österreich übernommen. Man kann die Steckdose übrigens entfernen, den Solarzwerg fest mit der Steckdose verschrauben und die Steckdose wieder verschließen. Dann würde man der Norm entsprechen. Allerdings darf bezweifelt werden, dass wir dadurch eine weitaus sicherere Situation für den Anwender geschaffen haben. Außerdem bescheinigen Rechtsgutachten, dass diese Normen keinen Gesetzescharakter haben. Wird ein Solarzwerg über eine Steckdose angeschlossen, wird zwar gegen einen Satz einer Norm, aber gegen kein einziges Gesetz verstoßen. Für mein Verständnis wäre das jedoch notwendig, wenn man das Wort „Verbot“ in den Mund nimmt.

Warum sprechen dann die Interessensverbände dann hartnäckig von Verbot? Der deutsche VDE ist ein etwas größeres Kaliber, da bin ich nicht ganz sicher, was den antreibt. Die österreichische Landesinnung der Elektrotechniker trägt die Motivation eigentlich im Namen: Es werden die Interessen der Elektrotechniker vertreten. In der Landesinnung sitzen dieselben Personen, die auch im Kuratorium für Elektrotechnik (KFE) sitzen. Daher verweist die Landesinnung der Elektrotechniker regelmäßig auf eine Warnung des KFE zur Begründung der Unzulässigkeit von Solarzwergen. Sieht natürlich besser aus, wenn gleich zwei wichtig klingende Organisationen vor etwas warnen, obwohl die zwei Organisationen aus denselben Mitgliedern bestehen.

Das KFE hält auf seiner Website fest:

Eine Aufgabe des KFE ist es, für seine Mitglieder finanzielle und ideelle Vorteile zu erarbeiten.

Auch wenn dadurch der Eindruck entsteht, dass der KFE und die Innung reine Klientenpolitik betreiben, wurden die Warnungen des KFE zu jedem Zeitpunkt ernst genommen, weil durchaus berechtigt darauf hingewiesen wird, welche Sicherheitsprobleme bei steckfertigen Solarsystemen auftreten können. Die Warnung des KFE ist jedoch insofern irreführend, weil sie suggeriert, dass diese „Empfehlung“ des KFE gesetzliche Bestimmungen widergibt. Das ist jedoch nicht so.

Innung und KFE sollten auch nicht überbewertet werden. Es überrascht nicht, dass die Vertretung der Elektriker es schlecht findet, wenn man ein Elektrogerät selbst und ohne Elektriker anschließen kann. Indem man Verunsicherung und Zweifel mit selbst ausgesprochenen Verboten streut, glaubt man, den Menschen etwas Gutes zu tun.

Fakt ist: Steckfertige Solarsysteme sind nicht verboten. Selbstgeschriebene Dokumente von Vereinen wie dem KFE haben keinen Gesetzescharakter. Mit einem steckfertigen Solarsystem wird grundsätzlich gegen kein einziges Gesetz verstoßen. Jedoch sollte man Warnungen durchaus ernst nehmen. Von Elektrogeräten kann immer eine Gefahr ausgehen. Es verhält sich am Ende wie mit anderen Produkten auch. Nicht jedes Steckdosenmodul, welches im Internet gekauft werden kann ist auch ein vernünftiges Produkt.

Warnung des KFE

Warnung des KFE ist kein Gesetz, auch wenn das KFE sich das wünscht

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3 Gedanken zu “Ist ein Stecker am Solarzwerg verboten?

  1. Pingback: "Simon" von der Firma Oekostrom - sedl.at

  2. Als der Herr von der Netz OÖ. heute bei uns vorsprach habe ich mir Ähnliches bereits gedacht, nun hat sich mein Verdacht bestätigt. Er montierte einen neuen Zähler und teilte mir bei dieser Gelegenheit gleich mit, dass dem Merkblatt des KFE, das mir bereits zuvor zugesendet wurde, nichts hinzuzufügen wäre und ich für sämtliche, auf diesem Schriftstück angeführten Schadensfälle und Unfallrisken haftbar wäre. Wie Sie bereits anführten, kann aber von jeglichem, in Betrieb genommenen E-Gerät Gefahr ausgehen. Ich habe mich ehrlich gesagt, heute vormittag einigermaßen geärgert über den ungebetenen Gast und seine Warnungen vor dem Solarzwerg.
    Ich dachte, es hätte sich bereits überall herumgesprochen, dass wir zur Erhaltung unserer Lebensbedingungen etwas mehr tun müssten als Herkömmliches zu bewahren bzw. dass wir hinsichtlich der Weiterentwicklung alternativer Energiegewinnungsmöglichkeiten konstruktiv und nicht verhindernd tätig werden sollten.

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