​http://blog.greenpeace-energy.de/magazin/unternehmens-news/punktsieg-fuer-simon/

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Ein neuer Solarzwerg

Das simon.energy Projekt war der Beginn einer längeren Reise. Auspacken, aufstellen, einstecken. So einfach kann Solarenergie also funktionieren. Am Balkon meiner Wiener Wohnung verrichtet mein simon nun mit bescheidener Zurückhaltung seine Dienste und erzeugt einen Teil des von uns benötigten Stroms in der Wohnung. Immer wieder erhielt ich die Frage, wie ein Solarzwerg auch im Inselbetrieb, bei Stromausfall oder in entlegenen Gebieten funktioniert. Mit netzgekoppelten Solarzwergen funktioniert das so nicht – die üblichen Balkonkraftwerke setzen in der Regel voraus, dass bereits Strom in der Steckdose vorhanden ist. Fällt der Strom aus, schalten sie sofort ab.

Für einen unabhängigen, autarken Betrieb kommt es stark darauf an, welche Geräte man eigentlich betreiben möchte. Für eine unabhängige Versorgung von herkömmlichen Elektrogeräten benötigt man z.B. folgende Komponenten:

  • Batterie
  • Solarmodul
  • Laderegler, der die Ladung der Batterie mit dem Solarmodul kontrolliert
  • Wechselrichter, der den Strom aus der Batterie für herkömmliche Geräte umwandelt

Je nachdem, welche Geräte man betreiben möchte, wählt man die Batteriekapazität, die Größe der Solarmodule und die Leistung des Wechselrichters aus.

In nächster Zeit möchte ich mir steckfertige Inselsysteme näher ansehen und meine Erfahrungen damit dokumentieren. Weil ich mittlerweile eine große Anzahl von Anfragen auch aus dem Ausland erhalte, reicht dieser Blog nicht mehr aus. Daher wird das Vorhaben zukünftig unter www.base.energy fortgeführt. Es würde mich freuen, wenn die / der eine oder andere auch Gefallen am neuen Blog findet.

Liebe Grüße und bis bald!

Simon

Ein neuer Solarzwerg

Ein neuer Solarzwerg

Das Solarzwerg Experiment geht in die nächste Runde

Vor mehr als zwei Jahren hat mein Experiment mit einer Frage begonnen:

Wie sehr wird man in Österreich daran gehindert, die Umwelt mit selbst produziertem Ökostrom zu entlasten?

Was als Hobby begann, ist zu einer Berufung geworden. Mein erster Solarzwerg war noch eine ziemliche Bastelei, abgesehen von der Bürokratie. Mit der unglaublichen Unterstützung durch das grandiose Team der oekostrom AG haben wir dann das Projekt simon.energy durchgezogen: Wir haben ein stylisches Balkonkraftwerk entwickelt und es geschafft, den Zugang solcher Geräte zum Stromnetz zu vereinfachen. Danke an der Stelle an den ehrenwerten Michael Galhaup, der mir immer den Rücken frei gehalten und niemals die Geduld mit Anwendern, Netzbetreibern und mir verloren hat.

Man wird zwar nicht aktiv daran gehindert, die Umwelt mit selbst erzeugtem Ökostrom zu entlasten. Niemand kann mich daran hindern, meinen Solarzwerg auf den Balkon zu hängen und in die Steckdose einzustecken, solange ich niemanden dadurch gefährde. Dass die Politik, die Behörden, die Netzbetreiber und die etablierten Interessensverbände so agieren, wie sie es getan haben, ist jedoch ein gravierendes Problem für die Energiewende. Wenn man schon wegen Solarzwergen so herumtut mag man sich gar nicht vorstellen, wie man an die großen Probleme herangeht. Die etablierten Strukturen wurden rund um eine fossile und/oder zentralistische Energiewirtschaft gebaut. Die Solarenergie braucht aber eine dezentrale, flinke und flexible Struktur. Der Umbau der Netze erfordert sehr viel harte Arbeit. Die Netzbetreiber, Behörden und Interessensverbände können aber aus ihrer Haut nicht heraus. Sie sind Monopolisten, die es seit mehr als zwei Generationen gewohnt sind, sich exklusiv um die Energieversorgung zu kümmern. Man kann sich nicht plötzlich auf viele dezentrale Erzeuger einstellen. Und man will es auch gar nicht.

Dabei findet die Mehrheit der Menschen das Konzept des Solarzwergs toll: Auspacken, aufstellen, einstecken. Da gibt es eine Nachfrage, das interessiert die Menschen. Was die Unterstützer von Solarzwergen in der Regel aber nicht wollen ist Stress. Wenn man einen Solarzwerg kauft und im Anschluss der Netzbestreiber schreibt das sei verboten und gefährlich, fühlt man sich betrogen. Der Großteil der Menschen will sich nicht mit Netzbetreibern auf Rechtssteitigkeiten einlassen, nicht einmal dann, wenn der Netzbetreiber eindeutig im Unrecht ist. Und selbst wenn man nach jahrelanger Debatte einen Konsens zum Solarzwerg gefunden hat: Kaum baut man eine Batterie ein, geht die ganze Diskussion wieder von vorne los und so wird es dann mit jeder Innovation am Stromnetz ablaufen. Innovationen,  die zum Wegkommen von Fossilen dringend notwendig sind.

Während meiner Tätigkeit beim WWF International durfte ich die Extremschwimmerin Mimi Hughes kennenlernen. Auf die Frage, wie sie mit Hindernissen umgeht hat sie geantwortet, dass man einfach um sie herumgeht. Wenn es also nicht mit den Netzbetreibern geht, muss man eben an ihnen vorbeigehen. Den Vorteil der Solarenergie ist, dass die Sonnenstrahlung ohnehin kabellos funktioniert. Vermutlich kann ich mich nicht das ganze Jahr über mit Balkonkraftwerken versorgen so wie ich es jetzt von der herkömmlichen Versorgung gewohnt bin. Aber wie autonom kann ich mich jetzt eigentlich schon machen? In welchen Bereichen kann man sich jetzt schon von der destruktiven und einfallslosen Maschinerie lösen? Wie schwierig ist das und wie alltagstauglich?

Das Solarzwerg-Experiment geht daher in eine neue Runde. Wie leicht funktioniert eine autonome Energieversorgung für die häufigsten elektrischen Anwendungen?

Design Strommasten - Quelle: http://www.ribapylondesign.com/

Ließe sich ein Design Strommast mit der Kreativität unserer Netzbetreiber umsetzen?- Quelle: http://www.ribapylondesign.com/

Rechnet sich mein Solarzwerg?

Eine der häufigsten Fragen zu Solaranlagen ist, ob sie sich rechnen. So fragt auch Mario Sedlak in einem Kommentar unter einem Beitrag. Solaranlagen werden überwiegend als Investitionsgut gesehen, auch wenn sie nur mehr aus einem einzigen Modul bestehen und wenige Hundert Euro kosten. Um die Rentabilität festzustellen kann man mehrere Ansätze wählen.

Den betriebswirtschaftlichen Nutzen ermittle ich mit meiner letzten Stromrechnung. Wenn ich alle Fixkosten herausrechne, bezahle ich derzeit 20.55 ct/kWh inkl. Mehrwertsteuer. Ich weiß, dass es günstiger ginge, aber ich habe bewusst den premium Tarif gewählt. Der Solarzwerg macht auf meinem Balkon mit der dortigen Sonneneinstrahlung voraussichtlich 40 EUR pro Jahr. Auf Modul und Wechselrichter gibt es 25 Jahre Garantie, was ich als Lebensdauer annehme. Für ein Elektrogerät ist das relativ lange. Bei meinen bisherigen Kosten von 450 EUR bin ich bei statischer Rechnung nach 12 Jahren im Grünen. Langsam beginnt aber die Bürokratie, die Wirtschaftlichkeit zu dehnen. Noch immer habe ich keine Rückmeldung vom Netzbetreiber. Ich bin trotzdem überzeugt, dass ich hier gut investiere.

Ob sich Solaranlagen volkswirtschaftlich rechnen, weiß ich nicht mit Sicherheit, aber davon gehe ich aus. In der Volkswirtschaftslehre berücksichtigt man mittlerweile externe Kosten wie Abgase, aber auch externen Nutzen, wie sauberes Wasser. Ökonomen dürfen jedoch annehmen, dass saubere Seen in 20 Jahren weniger wert sind als heute. Gleichzeitig dürfen sie annehmen, dass ein Atommülllager uns in 20 Jahren weniger kostet als heute. Die Annahme: Wenn morgen die Welt untergeht, dann wären wir ja dumm gewesen, nicht heute schon alles zu vergiften. Zum Entwerten in der Zukunft gibt es die sogenannte Diskontierungsrate. Nimmt man für sie 3,5% ist z.B saubere Luft in Wien nach 20 Jahren nur mehr die Hälfte wert, mit 8% nur mehr ein Fünftel, usw. So wird unter anderem der Preis für Verschmutzungsrechte ermittelt. Wie hoch nimmt man nun die Diskontierungsrate an? Wie viel sollen jene zahlen, die ihren Müll der Allgemeinheit aufhalsen? Kann man jeden Schaden bezahlen?

Erstaunt hat mich, dass die Ökonomen der Internationalen Energie Agentur (IEA) es für möglich halten, dass sich durch einen weltweiten Umstieg von Fossile auf Erneuerbare bis 2050 über 115 Billionen Dollar Brennstoffkosten einsparen lassen. Vorausgesetzt man investiert als Gesellschaft über 1,2 Billionen Dollar jährlich in den Umbau. Für das Geld könnte man ziemlich viele Solarzwerge installieren.

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Meine Stromrechnung

Ein Solarzwerg

Rein technisch gesehen ist mein Solarzwerg eine komplette Sonnenstromanlage bzw. Photovoltaikanlage bestehend aus Solarmodul, Wechselrichter, Befestigungsmaterial und Absicherungen.

Mein Solarzwerg ist blau und hat Abmessungen von ca.1,6m x 1m und ein Gewicht von ca. 19 kg. Der Rahmen meines Moduls ist ca. 4cm stark. Die max. Leistung liegt bei 250 Watt, wenn die Sonne voll drauf scheint und die Lufttemperatur niedrig ist. So, wie ich das Modul installieren möchte, erzeuge ich damit hoffentlich 150 bis 200 kWh Strom pro Jahr bei ca. 2.300 kWh Gesamtverbrauch.

Mein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom aus dem Solarmodul in Wechselstrom für die Steckdose um. Er passt sich an Licht- und Temperaturschwankungen an und holt hoffentlich immer das Optimum heraus. Zusätzlich ist der Wechselrichter mit einem automatischen Schalter ausgestattet. Wenn in der Steckdose Strom ist, schaltet er ein. Wenn kein Strom ist, schaltet er aus. Damit ist gewährleistet, dass kein Strom mehr erzeugt wird, wenn man z.B. für die Montage einer Lampe den Strom abgestellt hat.

Zusätzlich hat mir mein Kollege einen besonderen Sicherheitsstecker organisiert. Das ist ein Fehlerstromschutzschalter, der im Falle eines Fehlers den Wechselrichter abschaltet. Z.B. wenn man ein beschädigtes Kabel berührt.

Mit ein paar Metallschienen und Schrauben soll alles befestigt werden.

Der Zusammenbau ist für kommendes Wochenende geplant.

Solarzwerg Komponenten