Kubus trifft „solcube“

Verein Kubus Waidhofen / Ybbs

Greenstart bewertet, unterstützt und zeichnet junge, aufstrebende Ideen im Bezug auf die Umwelt aus. 2017 fand bereits die dritte derartige Schlußveranstaltung mit Preisverleihung statt. Das Projekt „speichern und fahren“ der Akkutriebwagen für die Citybahn Waidhofen als europäisches Vorzeigeprojekt, stand bereits vor 3 Jahren bei greenstart am Programm und wurde mit einer Auszeichnung geehrt. Beim diesjährigen Event waren es bereits 2 Projekte, welche sich mit der modernen und nachhaltigen Art der Stromspeicherung befassten. Beide Projekte kamen in die Endauswahl, ein Projekt stand sogar am Siegerpotest. Aber es geht nicht um Sieger, sondern um eine umweltfreundlichere Technik. Hier zeigt sich in Österreich noch großer Aufholbedarf, das sagten die Festredner sehr deutlich aus. Aber mit diesen jungen Leuten und deren Ideen sollte uns nicht bang werden. Karl Piaty wurde von greenstart auch heuer zur Schlußveranstaltung ins Odeon Theater persönlich eingeladen und dieser konnte zufrieden feststellen – E-Mobilität und die „Speicherung von elektrischer Energie“…

Ursprünglichen Post anzeigen 96 weitere Wörter

Advertisements

Ein neuer Solarzwerg

Das simon.energy Projekt war der Beginn einer längeren Reise. Auspacken, aufstellen, einstecken. So einfach kann Solarenergie also funktionieren. Am Balkon meiner Wiener Wohnung verrichtet mein simon nun mit bescheidener Zurückhaltung seine Dienste und erzeugt einen Teil des von uns benötigten Stroms in der Wohnung. Immer wieder erhielt ich die Frage, wie ein Solarzwerg auch im Inselbetrieb, bei Stromausfall oder in entlegenen Gebieten funktioniert. Mit netzgekoppelten Solarzwergen funktioniert das so nicht – die üblichen Balkonkraftwerke setzen in der Regel voraus, dass bereits Strom in der Steckdose vorhanden ist. Fällt der Strom aus, schalten sie sofort ab.

Für einen unabhängigen, autarken Betrieb kommt es stark darauf an, welche Geräte man eigentlich betreiben möchte. Für eine unabhängige Versorgung von herkömmlichen Elektrogeräten benötigt man z.B. folgende Komponenten:

  • Batterie
  • Solarmodul
  • Laderegler, der die Ladung der Batterie mit dem Solarmodul kontrolliert
  • Wechselrichter, der den Strom aus der Batterie für herkömmliche Geräte umwandelt

Je nachdem, welche Geräte man betreiben möchte, wählt man die Batteriekapazität, die Größe der Solarmodule und die Leistung des Wechselrichters aus.

In nächster Zeit möchte ich mir steckfertige Inselsysteme näher ansehen und meine Erfahrungen damit dokumentieren. Weil ich mittlerweile eine große Anzahl von Anfragen auch aus dem Ausland erhalte, reicht dieser Blog nicht mehr aus. Daher wird das Vorhaben zukünftig unter www.base.energy fortgeführt. Es würde mich freuen, wenn die / der eine oder andere auch Gefallen am neuen Blog findet.

Liebe Grüße und bis bald!

Simon

Ein neuer Solarzwerg

Ein neuer Solarzwerg

Das Solarzwerg Experiment geht in die nächste Runde

Vor mehr als zwei Jahren hat mein Experiment mit einer Frage begonnen:

Wie sehr wird man in Österreich daran gehindert, die Umwelt mit selbst produziertem Ökostrom zu entlasten?

Was als Hobby begann, ist zu einer Berufung geworden. Mein erster Solarzwerg war noch eine ziemliche Bastelei, abgesehen von der Bürokratie. Mit der unglaublichen Unterstützung durch das grandiose Team der oekostrom AG haben wir dann das Projekt simon.energy durchgezogen: Wir haben ein stylisches Balkonkraftwerk entwickelt und es geschafft, den Zugang solcher Geräte zum Stromnetz zu vereinfachen. Danke an der Stelle an den ehrenwerten Michael Galhaup, der mir immer den Rücken frei gehalten und niemals die Geduld mit Anwendern, Netzbetreibern und mir verloren hat.

Man wird zwar nicht aktiv daran gehindert, die Umwelt mit selbst erzeugtem Ökostrom zu entlasten. Niemand kann mich daran hindern, meinen Solarzwerg auf den Balkon zu hängen und in die Steckdose einzustecken, solange ich niemanden dadurch gefährde. Dass die Politik, die Behörden, die Netzbetreiber und die etablierten Interessensverbände so agieren, wie sie es getan haben, ist jedoch ein gravierendes Problem für die Energiewende. Wenn man schon wegen Solarzwergen so herumtut mag man sich gar nicht vorstellen, wie man an die großen Probleme herangeht. Die etablierten Strukturen wurden rund um eine fossile und/oder zentralistische Energiewirtschaft gebaut. Die Solarenergie braucht aber eine dezentrale, flinke und flexible Struktur. Der Umbau der Netze erfordert sehr viel harte Arbeit. Die Netzbetreiber, Behörden und Interessensverbände können aber aus ihrer Haut nicht heraus. Sie sind Monopolisten, die es seit mehr als zwei Generationen gewohnt sind, sich exklusiv um die Energieversorgung zu kümmern. Man kann sich nicht plötzlich auf viele dezentrale Erzeuger einstellen. Und man will es auch gar nicht.

Dabei findet die Mehrheit der Menschen das Konzept des Solarzwergs toll: Auspacken, aufstellen, einstecken. Da gibt es eine Nachfrage, das interessiert die Menschen. Was die Unterstützer von Solarzwergen in der Regel aber nicht wollen ist Stress. Wenn man einen Solarzwerg kauft und im Anschluss der Netzbestreiber schreibt das sei verboten und gefährlich, fühlt man sich betrogen. Der Großteil der Menschen will sich nicht mit Netzbetreibern auf Rechtssteitigkeiten einlassen, nicht einmal dann, wenn der Netzbetreiber eindeutig im Unrecht ist. Und selbst wenn man nach jahrelanger Debatte einen Konsens zum Solarzwerg gefunden hat: Kaum baut man eine Batterie ein, geht die ganze Diskussion wieder von vorne los und so wird es dann mit jeder Innovation am Stromnetz ablaufen. Innovationen,  die zum Wegkommen von Fossilen dringend notwendig sind.

Während meiner Tätigkeit beim WWF International durfte ich die Extremschwimmerin Mimi Hughes kennenlernen. Auf die Frage, wie sie mit Hindernissen umgeht hat sie geantwortet, dass man einfach um sie herumgeht. Wenn es also nicht mit den Netzbetreibern geht, muss man eben an ihnen vorbeigehen. Den Vorteil der Solarenergie ist, dass die Sonnenstrahlung ohnehin kabellos funktioniert. Vermutlich kann ich mich nicht das ganze Jahr über mit Balkonkraftwerken versorgen so wie ich es jetzt von der herkömmlichen Versorgung gewohnt bin. Aber wie autonom kann ich mich jetzt eigentlich schon machen? In welchen Bereichen kann man sich jetzt schon von der destruktiven und einfallslosen Maschinerie lösen? Wie schwierig ist das und wie alltagstauglich?

Das Solarzwerg-Experiment geht daher in eine neue Runde. Wie leicht funktioniert eine autonome Energieversorgung für die häufigsten elektrischen Anwendungen?

Design Strommasten - Quelle: http://www.ribapylondesign.com/

Ließe sich ein Design Strommast mit der Kreativität unserer Netzbetreiber umsetzen?- Quelle: http://www.ribapylondesign.com/

Wie die Normung aus großen Kuchenstücken kleine Krümel macht

Nachdem sich die Lage in Österreich etwas entspannt hatte und die Emotionen zum Solarzwerg abgekühlt waren wiederholte sich die Geschichte in Deutschland. Solarzwerge seien in Deutschland verboten und gefährlich. Das wird dies damit begründet, dass Solarzwerge gegen deutsche Normen verstoßen. Die Jungs von Greenpeace Energy halten ihre Solarzwerg-Erfahrung mit einem Hamburger Netzbetreiber in einem Blog fest. Durch das simon.energy Projekt wurde in Deutschland die Diskussion zum Thema wieder angeheizt.

Deutsche und österreichische Elektrotechnik sind sich historisch bedingt äußerst ähnlich. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass mein Solarzwerg bei den Nachbarn plötzlich gefährlich ist. Aufs Neue muss eine veraltete Norm geändert werden, um nicht immer wieder von Netzbetreibern oder „Experten“ gequält zu werden. Die sprechen immer noch davon, dass Solarzwerge wegen Normungsverstößen verboten seien. Was ist dann eigentlich mit den über 10.000 Nutzern, die es in Deutschland bereits gibt? Sind das jetzt alles Verbrecher? Was soll man mit all den Kriminellen eigentlich machen?

Wenn man davon ausgeht, dass Solarenergie zum Selbermachen etwas Gutes ist, dann könnte man den normativen Graubereich relativ einfach im Sinne einer soliden, öffentlichen Mehrheit regeln. Eine Möglichkeit ist z.B. das Anpassen einschlägiger VDE-Normen. Wer aber macht eigentlich solch eine Norm? Der VDE ist als Verein organisiert und verfügt über relativ umfangreiche Strukturen zu allerlei Themen. Gruppen von Experten tagen regelmäßig zu den verschiedensten technischen Anwendungsbereichen, besprechen Änderungen, diskutieren neueste Erkenntnisse und wie diese in Normen einfließen können. Herrscht in einer Gruppe zu einem neuen technischen Standard Einigkeit, wird dieser in der Norm verankert. Grundsätzlich ist es sehr begrüßenswert, dass man sich über Standards und Sicherheit ernsthafte Gedanken macht. „German Engineering“ als weltweiter Exportschlager hat ja seinen Ruf nicht von irgendwoher.

Nun hat die Sache jedoch einen Haken. Im Unterschied zu gewählten Volksvertretern ist es nicht transparent, wie man Teil eines Normungsausschusses wird, oder wie dieser über Inhalte abstimmt. Es handelt sich um geheime Sitzungen hinter verschlossenen Türen. Normen sind in der Regel nicht öffentlich einsehbar, sondern müssen gekauft werden. Deshalb ist es äußerst bedenklich, wenn der Verstoß einer Norm von Netzbetreibern als Verbot gedeutet und auch so kommuniziert wird. Dann würde nämlich ein Normungsausschuss über Ge- und Verbote bestimmen, ohne dass er jemals von der Bevölkerung gewählt wurde. Umso bedenklicher ist es, wenn der Eindruck entsteht, dass Normungsausschüsse sich nur aus Konzernvertretern zusammensetzen, die bewusst Änderungen an Normen herbeiführen, um eigene wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Gegen jede Vernunft oder öffentliches Interesse. Am Solarzwerg lässt sich dieses Spiel wieder eindrucksvoll veranschaulichen.

Nun wird in den Normungsausschüssen endlich diskutiert, den Wildwuchs an steckfertigen Solarsystemen in geordnete Bahnen zu lenken. Aber halt! Ein Vorschlag lautet, dass es keine herkömmlichen Stecker sein dürfen, sondern Solarzwerge sollen mit einer Sondersteckvorrichtung ausgestattet werden. Für den Anwender hätte dies zur Folge, dass nur ein Fachmann diese Sonderstecker beziehen, montieren und anstecken kann. Wo ist der objektive, sicherheitsrelevante Sinn hinter so einem Vorschlag, der den Anschaffungspreis eines Solarzwergs verdoppelt? Es würde keine 3 Tage dauern bis es auf Amazon einen Adapterstecker zu kaufen gibt, mit dem man einen Sonderstecker erst recht wieder in eine normale Steckdose einstecken kann. Und das wäre dann wieder nicht normen-konform und es kennt sich wieder keiner aus. Eine Sondersteckvorrichtung in der Norm zu verankern wäre alles andere als effektiv.

Wozu also die mühsame Lösung wenn es auch einfach ginge? Zufälligerweise sitzen eine Hand voll jener Vertreter im betroffenen Ausschuss, die für jene Firmen arbeiten, die Sonderstecker produzieren. Und die Elektriker stimmen dem Vorschlag wohlwollend zu, weil die ja dann diejenigen sind, die Sondersteckdosen installieren wollen. Und die Netzbetreiber sind auch dankbar. Weil solch eine Lösung natürlich keine Sau zahlt sind sie den einzigen Stromerzeuger los, mit dem man auch Netzgebühren einsparen kann. Nachdem eine neue Norm abgenickt wurde sind alle zufrieden und glücklich, jetzt bekommt in der Theorie jeder ein Stück vom Kuchen! Ob das für den Käufer sinnvoll ist oder nicht, egal! Dass der Käufer plötzlich den doppelten Betrag für einen Solarzwerg zahlen soll? Na es geht doch um die Sicherheit!

Die Konsequenz bleibt weiterhin: Jene, die es einfach haben wollen, werden es sich auch auf einfache Art besorgen. Auspacken, aufstellen, anstecken. Niemand kann sie daran hindern. Käufer und Anbieter werden von den zuständigen Normungsgremien im Stich gelassen und müssen unnötige Haftungsfragen auf sich nehmen. Jene, die den „geregelten“ Weg gehen wollen warten ab, weil es sich nicht lohnt, den doppelten Preis für einen Solarzwerg zu bezahlen. Damit lässt man auch ein Stück Energiewende liegen. Und für die Wirtschaftsvertreter in den Normungsausschüssen ist es am Ende ebenfalls ein Schuss ins Knie. Aus dem erhofften Kuchenstücken fallen dann nur ein paar Krümel ab. So wird am Ende niemand satt.

Wie schon John le Carre zitiert wird:

A desk is a dangerous place from which to view the world